Techniken der Glasmalerei

Hier werden Werkzeuge für die Glasbearbeitung beschrieben und erklärt. Alle hier beschriebenen Produkte sind über Ihre GLS erhältlich.

Techniken der Glasmalerei

Beitragvon Björn » 24.01.2013 10:30

Die Pinselmalerei in den verschiedenen Techniken

Die reine Pinselzeichnung

Sie ist einer der wichtigsten Maltechniken, die der Glasmaler beherrschen muss. Diese Technik erstreckt sich von der einfachen, gleichmäßigen bis hin zur verstärkten Linie. In der Hauptsache findet sie Anwendung im Malen von Konturen. Diese werden entweder direkt auf das Glas gemalt und dann in den Zwischenflächen ausgearbeitet oder auf vorgeschwämmte, eingebrannte oder auch "rohe", Deckemailflächen gemalt. Diese Emailflächen können bereits farbig sein . Ist der Untergrund in Weißemail vorgeschwämmt, so kann die weitere Ausarbeitung in Lasur- bzw. Abschattiertechnik vorgenommen werden.

Für die reine Pinselzeichnung können sowohl alle Arten von Schmelzfarben, als auch die Diffusionsfarben, sowie die Metall- und Edelmetallpräparate verwendet werden.

Die Schmelzfarben sollten für diese Technik möglichst geschmeidig aber nicht zu flüssig aufbereitet werden. Zur Ausführung der Pinselzeichnung eignen sich am besten weiche Haarpinsel (Fehhaar) in den verschiedenen Längen und Stärken.



Die Schwämmtechnik (gleichmäßiger Farbauftrag)

Hierbei handelt es sich um eine Grundtechnik für bildmäßige Dekorationen, wie z. Bsp. Wappenmalerei.

In der Regel wird hierfür ein weißes Deckemail verwendet. Dieses wird mit Mal- und Bindemittel angerieben, worauf dabei zu achten ist, dass das Email keine Körnung mehr aufweist. Die Farbe sollte möglichst mager gehalten werden und nicht allzu flüssig sein. Vom Gefühl her sollte sie wie leicht steifgeschlagene Sahne aus der Pinselspitze laufen...

Das Email wird mit einem mittellangen Malpinsel gut deckend und gleichmäßig auf die Glasoberfläche aufgetragen "aufgeschwämmt". Dabei wird die Farbe nicht aufgestrichen, sondern mit kräftig getränktem Pinsel aufgetupft. Der Glasmaler muss dabei darauf achten, dass er möglichst immer nass in nass arbeitet.

Beim Arbeiten mit Flachglas wird nach dem Auftragen der Farbe von allen Seiten an den Scheibenrand geklopft, um ein möglichst gleichmäßiges Verteilen in der Fläche zu erreichen. Bei Hohlgläsern dreht man die aufgetragene Farbfläche nach unten (um ein Verlaufen der Farbe aus der Kontur zu vermeiden), während dann die Farbfläche durch klopfen glatt geschüttelt wird. Bei größeren Flächen empfiehlt es sich vor dem Schütteln eine saubere Pausnadel zu benützen. Hierbei wird die feuchte Farbfläche mit der Nadelspitze in verschiedene Richtungen durchgekämmt, dies garantiert eine gleichmäßigere Farbverteilung.

Grundsätzlich gilt, dass die Farbfläche beim durchkämmen und klopfen noch nicht angetrocknet sein darf, sonst sind unschöne Rillen und Schüttelringe vorprogrammiert.

Die Weiterverarbeitung der Schwämmflächen geschieht meist erst nach dem ersten Brandt.



Die Lasurtechnik

Diese Malweise ist eine reine Flachfarbentechnik. Sie wird aber heute mangels reiner Flachfarben mit herkömmlichen Schmelzfarben ausgeführt. Die Farbe wird für diese Verarbeitung möglichst fett aufgearbeitet, dies gilt für die ölige sowie auch die wässrige Aufbereitung der Farbe. Um einen besonders mühelosen und gleichmäßigen Farbauftrag bei der öligen Aufbereitung zu erreichen mischt man der Farbe einige Tropfen Nelkenöl bei. Das Nelkenöl verhindert ein zu schnelles Antrocknen und fördert das gleichmäßigere Verteilen der Farbe. Die Farben werden in dieser Technik mit kurzgebundenen weichen Haarpinseln in dünner lasierender Lage aufgetragen.

Unter Lasieren versteht man das gleichmäßige Anlegen von Farbflächen innerhalb einer Pinsel- oder Federzeichnung, die direkt auf das Glas aufgetragen oder auf einen mit Weißemail vorgeschwämmten Grund gemalt sein kann. Beider Lasurtechnik dürfen nach dem einbrennen in der gemalten Fläche keine Pinselstriche zu sehen sein! (Staub und Fusseleinschlüsse in der Farbe sind auf alle Fälle zu vermeiden!!!)



Die Abschattiertechnik

Ähnlich der Lasurtechnik wird auch bei der Abschattiertechnik mit Flachfarben, bzw. in der Regel mit Deckemailfarben gearbeitet. Auch hier kann die Aufbereitung sowie mit öligen als auch wasserlöslichen Mal- und Bindemittel gearbeitet werden. Die Flächen werden aber bei dieser Technik nicht gleichmäßig, sondern in schattierender Weise angelegt. Auch hier verwendet man kurgebundene, weiche Haarpinsel mit denen die Farbe möglichst streifenfrei und übergangslos von Dunkel bis Hell auf das Glas aufgetragen wird.

Die Farbe sollte für diese Technik auf keinen Fall zu fett an gemischt werden, da sonst der mühevoll aufgetragene Übergang noch vor dem trocknen verläuft. Auch können zu fett gearbeitete Flächen beim Einbrennen herunterlaufen, aufbrausen oder abblättern.

Bei der Ausführung der Abschattiertechnik wird so vorgegangen dass zuerst der Pinsel nur mit dem jeweiligen Malmedium durchgearbeitet wird und in die Pinselspitze selbst wird dann die für die Farbfläche benötigte Farbe aufgenommen. Beim Auftrag auf das Glas streicht sich die Farbe mehr und mehr aus dem Pinsel und es entsteht so der schattierende Farbauftrag. Natürlich ist beim aneinandersetzen der einzelnen Pinselstriche auch darauf zu achten, dass keine stufige Schattierung entsteht.

Selbstverständlich können in der Lasur- und Abschattiertechnik auch Transparentemailfarben verwendet werden.



Die Durchstreich- oder Pinseldrucktechnik

Diese Malart, auch "Quetschmalerei" oder "Bauernmalerei" genannt, ist eine reine Pinselmaltechnik.

Der Effekt bei dieser Malweise besteht darin, dass der Pinselstrich klar und entsprechend kräftig sichtbar bleibt. Dies setzt voraus, dass die Farbe eine magere Konsistenz aufweist. Nur dann ist auch gewährleistet, dass der gequetschte Pinselstrich auf dem Glas erhalten bleibt. Bei zu fettem Farbauftrag würde die Farbe wieder gleichmäßig verlaufen. Trotz der gewünschten mageren Aufbereitung darf die Farbe jedoch nicht zu "kurz" sein, d.h. der jeweilige Pinselstrich muss die Farbe lang und geschmeidig freigeben ohne am Ende "abzureißen" (ausfransen).

Der Reiz dieser Technik liegt in seiner beweglichen und freien Anwendung. Die eigentliche Charakteristik ist der abgerundete Keilstrich, also die Grundform, die der Pinsel durch andrücken (bzw. quetschen) und nachlassen auf dem Glas hinterlässt.

(Meine erste Lehrmeisterin sagte immer: mit der Malseite des Pinsels die Spitze ansetzen, im Zug den Pinsel auf die Fläche drücken und zum Schluss Druck nachlassen, bis sich zum Ende hin eine Spitze ergibt. Daraus ergibt sich in der Handbewegung des Glasmalers ein Schwung...)

Hierfür eignen sich am besten florale als auch jegliche weitere pflanzliche Motive in natürlicher als auch stilisierter Wiedergabe. Und mit zunehmender Beherrschung kann man auch in dem figuralem Bereich den Pinseldruck anwenden.

Eine zusätzliche Belebung kann dadurch erreicht werden, wenn bereits eingebrannte Pinseldruckarbeiten noch teilflächig mit schattierenden "Farbdruckern" überarbeitet werden. Bei entsprechender Sicherheit kann man auch auf die ungebrannte Farbe malen, aber hierbei ist zu bedenken, dass sich rohe Farbflächen sehr saugfähig verhalten, daher muss die zum Überarbeiten verwendete Farbe viel fetter aufbereitet werden. Das direkte Übermalen der ersten Farbfläche erspart einen Brand und hat trotzdem keine nachteilige Wirkung auf das Endergebnis.

Weiterhin möchte ich dazu anmerken, dass wir damals teilweise zweifarbig in einem Durchgang gearbeitet haben. Das heißt, wenn eine Blatt zum Beispiel in zwei verschiedenen Farbtönen gemalt werden sollte, haben wir den Pinsel erst in dem helleren Farbton getränkt und den dunkleren Farbton nur auf die Spitze des Pinsels aufgenommen. Beim Auftragen der Farbe im Pinseldruck streicht sich der dunklere Farbton zuerst aus und der hellere liegt unter dem dunklem und wird erst ab dem ersten Drittel des Striches sichtbar. Auch so kann man Schattierungen hervor rufen.

Für die Pinseldrucktechnik empfehlen sich sämtliche Malpinsel, egal ob kurzgebunden, langgebunden, mit langer Spitze oder ovalabgerundet, Schlepper (stumpf, schräg, oval oder Spitz), Dekorier- u. Staffierpinsel, Anleger, Rosenpinsel etc. Jeder Pinsel hat seine eigene Form, die wiederum einen eigenen Strich ergibt. Bei der Pinseldrucktechnik wird der Pinsel in all seinen Eigenschaften gefordert.

Lieben Dank an Nina für diesen weiteren Beitrag :D :lol: :lol:
Also ran an den Ofen !!!



Björn
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